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BonpagoFeb 27, 2026 9:00:01 AM14 min read

Dokumentenmanagement Archivierung: CFO-Guide mit ROI-Rechnung

Dokumentenmanagement Archivierung: CFO-Guide mit ROI-Rechnung
25:56

Ausgangslage: Fehlende Transparenz, manuelle Prozesse, Compliance-Risiken, verpasste Skonto-Fristen, hoher Audit-Aufwand. Ziel: Durchgängiges, revisionssicheres Dokumentenmanagement und Archivierung für Finance-Prozesse (P2P, O2C, Vertragsmanagement) – inklusive sauberer Anbindung an E-Rechnungen. Nutzen: Suchzeit von durchschnittlich 8 Minuten auf unter 15 Sekunden, Durchlaufzeit Rechnungsprüfung von 12 auf 3 Tage, Skonto-Nutzung von 45% auf 78%, Fehlerquote (Double Payments, Dubletten) von 2,3% auf unter 0,5%, Audit-Aufwand (externe Prüfstunden) um 35% reduziert.

Investition: Einmalige Implementierung 80.000–150.000 EUR (abhängig von Belegvolumen, Anzahl Gesellschaften, Integrationskomplexität), laufende Kosten (Lizenzen, Betrieb) 15.000–35.000 EUR p.a. Payback: 18–24 Monate. Risiken ohne Umsetzung: GoBD-/DSGVO-Findings, Bußgelder bis 4% Umsatz, fehlende Nachweise bei Betriebsprüfungen, Haftungsrisiken bei Fristversäumnissen, messbare Verluste durch Skonto-Verzicht und Mahngebühren.

Nächste Schritte (30/60/90 Tage):

  • Tag 1–30: Ist-Analyse (Dokumentenflüsse, Pain Points, Belegvolumen), KPI-Baseline (Suchzeit, Durchlaufzeit, Skontoquote, Fehlerquote, Audit-Aufwand), Governance-Workshop (Prozessowner, RACI, Verantwortlichkeiten), Pilot-Use-Case definieren (typischerweise Eingangsrechnungen mit hohem Volumen).
  • Tag 31–60: Anforderungskatalog (Must-have vs. Kann), Lieferanten-Shortlist (3–5 Anbieter mit GoBD-Nachweis, Referenzen, Prüfexport-Demo), Proof-of-Concept (Integration ERP/E-Invoicing, Test-Workflows, Audit-Trail-Nachweise), Business Case finalisieren (Nutzen vs. Kosten, Sensitivitäten, Steering-Vorlage).
  • Tag 61–90: Entscheidung Steering, Vertragsverhandlung (SLA, Data Residency, Exit, Haftung), Projektstart (Governance, Verfahrensdokumentation, Integration), Rollout-Planung (Welle 1: Eingangsrechnungen, Welle 2: Verträge, Welle 3: HR/Projekte).

Drei Personen sitzen im Besprechungsraum und besprechen Dokumente und Kennzahlen, im Hintergrund zeigt ein Bildschirm Workflow- und KPI-Übersichten.

 

Dokumentenmanagement Archivierung: Was Finance-Entscheider wirklich lösen müssen

Im Unternehmenskontext bezeichnet Dokumentenmanagement den gesamten Lebenszyklus eines Dokuments: Erfassung, Verarbeitung, strukturierte Ablage, Suche, Zusammenarbeit, Versionierung, Freigabe, Archivierung und regelkonforme Löschung. Archivierung meint die langfristige, unveränderbare und regelkonforme Aufbewahrung abgeschlossener Dokumente.

Die Abgrenzung ist wichtig, denn in der Praxis verschwimmen die Grenzen. Ein Dokument durchläuft typischerweise mehrere Phasen: Erfassung, Bearbeitung, Ablage, Archivierung. Wer beide Aspekte getrennt denkt, riskiert Lücken: Dokumente verschwinden in lokalen Ablagen, Freigabestatus bleiben unklar, Audit-Trails fehlen, Aufbewahrungsfristen werden nicht eingehalten.

Deshalb müssen beide Aspekte zusammen gedacht werden – als durchgängiger Dokumenten-Lifecycle. Vom Eingang bis zur späteren Aussonderung sollte jeder Schritt nachvollziehbar, kontrolliert und prüfbar sein. Das ist keine technische Spielerei, sondern eine Frage der Governance und des Internal Control Systems.

 

CFO-Pain Points und messbare Baseline-Werte

Typische Ausgangslage in mittelständischen Unternehmen (500–2000 Mitarbeitende, 20.000–80.000 Eingangsrechnungen p.a.):

KPI Baseline (ohne DMS) Zielwert (mit DMS/Archiv)
Durchschnittliche Suchzeit pro Dokument 8 Minuten < 15 Sekunden
Durchlaufzeit Rechnungsprüfung (Eingang bis Zahlung) 12 Tage 3 Tage
Skonto-Nutzungsquote (bei 2% Skonto, 14 Tage Ziel) 45% 78%
Fehlerquote (Dubletten, Double Payments, fehlende Belege) 2,3% < 0,5%
Audit-Aufwand externe Prüfung (Stunden) 120 h 78 h (-35%)
FTE-Aufwand Suchen/Ablegen/Rückfragen (bei 10 Finance-MA) 1,2 FTE 0,3 FTE

Diese Werte sind keine Zielspekulation, sondern beruhen auf Erfahrungswerten aus Implementierungsprojekten bei mittelständischen Unternehmen. Abweichungen nach oben oder unten sind möglich – abhängig von Prozessreife, Belegvolumen, Automatisierungsgrad und organisatorischer Disziplin.

 

Pflicht, GoBD, DSGVO: Minimum Requirements für Revisionssicherheit

Es gibt keine gesetzliche Pflicht, ein bestimmtes Tool einzusetzen. Sehr wohl aber gibt es die Pflicht zur ordnungsgemäßen, nachvollziehbaren, aufbewahrungskonformen Dokumentation und Ablage. Ein System ist der praktikable Weg, um das prüfbar nachzuweisen.

 

Must-have-Anforderungen (nicht verhandelbar)

  • Auffindbarkeit: Index und Metadaten (Belegtyp, Kreditor/Debitor, Datum, Betrag, Bestellreferenz, Kostenstelle, Status), Volltextsuche, definierte Aktenlogik.
  • Vollständigkeit: Alle relevanten Dokumente werden erfasst und abgelegt, keine Lücken, keine Schattenablagen.
  • Protokollierung (Audit-Trail): Wer hat wann auf welches Dokument zugegriffen, wer hat es geändert, wer hat es freigegeben? Log-Retention mindestens 10 Jahre (GoBD-konform), unveränderliche Logs (Write-Once-Read-Many oder kryptografisch gesichert).
  • Unveränderbarkeit im Archiv: Abgeschlossene Dokumente dürfen nicht nachträglich geändert werden. Technisch abgesichert durch Versionierung, Checksummen (z. B. SHA-256), WORM-Storage oder Time-Stamping (qualifizierte Zeitstempel nach eIDAS).
  • Geregelte Berechtigungen: Rollenbasiertes Zugriffssystem (RBAC), Need-to-know-Prinzip, Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Freigaben, regelmäßige Berechtigungsreviews (mindestens halbjährlich).
  • Aufbewahrungs- und Löschregeln: Automatische Überwachung von Aufbewahrungsfristen (z. B. 10 Jahre für steuerrelevante Belege), automatische Löschung oder Anonymisierung nach Fristablauf (DSGVO-konform).
  • Verfahrensdokumentation: Beschreibung der Prozesse, Systeme, Schnittstellen, Verantwortlichkeiten, Kontrollen – GoBD-konform, regelmäßig aktualisiert.
  • Export- und Vorlagefähigkeit: Strukturierte Datenbereitstellung für Prüfungen (z. B. IDEA/ACL-Export, PDF/A, XML), lesbare Formate ohne Systemabhängigkeit, Prüfexport auf Knopfdruck.

 

Kann-Anforderungen (Mehrwert, aber nicht zwingend)

  • Automatisierte Klassifizierung: KI-gestützte Dokumentenerkennung (z. B. „Rechnung", „Vertrag", „Lieferschein").
  • KI-Extraktion: Automatisches Auslesen von Rechnungsdaten (Kreditor, Rechnungsnummer, Datum, Betrag, MwSt., Bestellreferenz).
  • Erweiterte Analytics: Durchlaufzeitanalysen, Engpasserkennung, Prognosen (z. B. „Skonto-Risiko").
  • Self-Service-Dashboards: Fachabteilungen können eigene Auswertungen erstellen (z. B. offene Rechnungen, Freigabestatus).

 

Lieferanten-/Tool-Auswahl: Prüfbarer Kriterienkatalog

Für CFOs und IT-Leiter ist eine strukturierte Auswahl essenziell. Folgender Kriterienkatalog dient als Checkliste für Ausschreibung, PoC und Vertragsverhandlung.

Kriterium Must-have-Nachweis Prüfmethode
GoBD-Konformität Verfahrensdokumentation (Muster), GoBD-Testat (IDW PS 880 oder vergleichbar), Referenzen mit Betriebsprüfungen Dokumentenprüfung, Referenzgespräche, PoC mit Prüfexport
Revisionssicherheit (WORM, Checksummen) Technische Dokumentation, Nachweis WORM-Storage oder kryptografischer Absicherung, Time-Stamping (eIDAS-konform) Technischer Review, Demo mit Manipulationsversuch, externe Zertifizierung (z. B. TR-ESOR)
Audit-Trail (unveränderlich, vollständig) Log-Retention-Policy (mind. 10 Jahre), Beispiel-Logs, Nachweis unveränderlicher Speicherung PoC mit Protokollexport, Prüfung Log-Integrität, SIEM-Integration testen
Berechtigungskonzept (RBAC, Need-to-know) Dokumentation Rollenmodell, Nachweis Vier-Augen-Prinzip, Berechtigungsreview-Prozess PoC mit Testnutzern, Rechtevergabe testen, IAM-Integration prüfen
ERP-Integration (SAP, MS Dynamics, Oracle, Datev) Schnittstellendokumentation, Referenzinstallationen, API-Spezifikation (REST/SOAP/OData) Technischer Review, PoC mit Testbuchungen, Datenfluss-Tests (Bestellung → Rechnung → Buchung → Archiv)
E-Invoicing-Anbindung (PEPPOL, ZUGFeRD, XRechnung) Formatunterstützung, Validierungslogik, Nachweis strukturierter Archivierung (nicht nur PDF) PoC mit Test-E-Rechnungen, Validierung, Metadaten-Extraktion, Archivprüfung
Prüfexport (IDEA/ACL, PDF/A, XML) Beispiel-Export, dokumentierte Export-Formate, Nachweis Lesbarkeit ohne System PoC mit Testdaten, Export und Importtest in IDEA/ACL, Prüfung Vollständigkeit
DSGVO-Compliance (Löschkonzept, Auskunft, Portabilität) Löschprozess-Dokumentation, Auskunftsfunktion (Betroffenenanfrage), Datenexport (strukturiert) PoC mit Testperson, Auskunftsanfrage simulieren, Löschprozess testen, Datenschutz-Folgenabschätzung prüfen
Security (Verschlüsselung, MFA, SIEM-Integration) Verschlüsselung at rest/in transit (AES-256/TLS 1.3), MFA-Unterstützung, SIEM/Log-Export Technischer Review, Penetrationstest (extern), SIEM-Integration testen, Zertifikate prüfen (ISO 27001, SOC 2)
SLA (Verfügbarkeit, Response, RTO/RPO) SLA-Dokument (mind. 99,5% Verfügbarkeit, RTO < 4h, RPO < 1h), Pönale bei SLA-Verletzung Vertragsverhandlung, Referenzen zu SLA-Einhaltung, Incident-Historie prüfen
Exit-Strategie (Datenportabilität, Export, Fristen) Exit-Klausel im Vertrag, dokumentierter Exportprozess, offene Formate (PDF/A, XML), Frist mind. 6 Monate Vertragsverhandlung, Testexport mit Vollständigkeitsprüfung, rechtliche Prüfung Exit-Klausel
Data Residency (EU/Deutschland) Rechenzentrumsstandorte dokumentiert, Nachweis EU-Standard-Vertragsklauseln (falls außerhalb EU), Zertifizierung (z. B. EU-Cloud-Code of Conduct) Vertragsprüfung, Rechenzentrumsbesichtigung (optional), rechtliche Prüfung Data Processing Agreement

Mitarbeiter arbeitet am Schreibtisch an zwei Monitoren mit Rechnungs- und Zahlungsübersichten und macht Notizen, daneben liegen Smartphone, Tablet und Belege.

 

Business Case für CFOs: ROI-Berechnung und Beispielrechnung (Payback)

Ein strukturierter Business Case macht Nutzen und Kosten transparent und liefert die Entscheidungsgrundlage für das Steering.

 

Beispielrechnung: Mittelständisches Unternehmen (500 MA, 30.000 Eingangsrechnungen p.a.)

Nutzenblöcke (jährlich, ab Jahr 2 nach Rollout):

  • FTE-Einsparung Suchen/Ablegen/Rückfragen: 0,9 FTE (von 1,2 auf 0,3 FTE) × 65.000 EUR Vollkosten = 58.500 EUR
  • Skonto-Mehrnutzung: Rechnungsvolumen 10 Mio. EUR, Skonto-Quote von 45% auf 78% (+ 33 Prozentpunkte), durchschnittlich 2% Skonto auf 50% der Rechnungen → zusätzlich 1,65 Mio. EUR × 2% = 33.000 EUR
  • Weniger Fehler (Double Payments, Dubletten): Fehlerquote von 2,3% auf 0,5% (− 1,8 Prozentpunkte), durchschnittlicher Schaden pro Fehler 350 EUR, 30.000 Rechnungen × 1,8% × 350 EUR = 18.900 EUR
  • Audit-Aufwand extern: 42 Stunden eingespart (von 120 auf 78 h) × 150 EUR Stundensatz = 6.300 EUR
  • Physische Archivkosten: 2.500 EUR p.a. (externe Lagerung, Aktenschränke)
  • Gesamt Nutzen p.a.: 119.200 EUR

Kostenblöcke:

  • Einmalige Implementierung (Jahr 1): 110.000 EUR (Lizenzen, Prozessdesign, Integration ERP/E-Invoicing, Migration 5.000 Altbelege, Schulung, Verfahrensdoku)
  • Laufende Kosten (ab Jahr 2): 22.000 EUR p.a. (Cloud-Subscription 18.000 EUR, Betrieb/Support 4.000 EUR)

ROI und Payback:

  • Jahr 1: Investition 110.000 EUR, Nutzen (anteilig, 6 Monate nach Rollout) 59.600 EUR → Netto − 50.400 EUR
  • Jahr 2: Kosten 22.000 EUR, Nutzen 119.200 EUR → Netto + 97.200 EUR
  • Kumuliert: Break-even nach ca. 18 Monaten
  • ROI (3 Jahre): (Nutzen 357.600 EUR − Kosten 176.000 EUR) / 176.000 EUR = 103%

Diese Rechnung ist konservativ und berücksichtigt keine weiteren Effekte (z. B. schnellere Monatsabschlüsse, bessere Lieferantenbeziehungen, geringere Compliance-Risiken). Sensitivitäten: Bei höherem Belegvolumen (z. B. 60.000 Rechnungen p.a.) steigt der Nutzen überproportional, bei geringerem Volumen (z. B. 10.000 Rechnungen p.a.) verlängert sich der Payback.

 

Technische Architektur und Integration: Details für IT-Leiter

Für IT-Leiter sind folgende technische Details entscheidend:

 

Referenzarchitektur (Cloud-Modell mit ERP-Integration)

  • Erfassungsschicht: E-Mail-Gateway (automatischer Import Rechnungs-PDFs/E-Rechnungen), Scanner-Integration (Twain/WIA/ISIS), EDI/PEPPOL-Access-Point, Webportal (manueller Upload)
  • Verarbeitungsschicht: OCR/ICR-Engine (z. B. ABBYY, Kofax), KI-Klassifizierung und -Extraktion (z. B. Azure AI, AWS Textract), Validierung (Format, Plausibilität, Duplikatsprüfung), Workflow-Engine (BPMN 2.0-konform)
  • Integrationschicht: REST-APIs zu ERP (SAP, Dynamics, Oracle, Datev), Eventing (z. B. RabbitMQ, Azure Service Bus), IAM-Integration (SAML 2.0, OAuth 2.0, OIDC, LDAP/AD), E-Invoicing-Provider (PEPPOL, ZUGFeRD, XRechnung)
  • Speicherungsschicht: Dokumenten-Repository (z. B. S3, Azure Blob, On-Prem-NAS), Metadatenbank (SQL/NoSQL), Volltext-Index (ElasticSearch, Solr), WORM-Storage oder kryptografische Absicherung (SHA-256, Time-Stamping)
  • Sicherheitsschicht: Verschlüsselung at rest (AES-256) und in transit (TLS 1.3), MFA (TOTP, WebAuthn), RBAC (rollenbasierte Rechte), Audit-Logs (unveränderlich, SIEM-Export)
  • Ausgabeschicht: Web-UI (responsiv), Mobile-App (iOS/Android), API-Zugriff (für Drittsysteme), Prüfexport (IDEA/ACL, PDF/A, XML)

 

Schnittstellen und Datenfluss (Beispiel P2P)

Rechnung kommt per E-Mail → E-Mail-Gateway erfasst Anhang → OCR/KI extrahiert Metadaten (Kreditor, Rechnungsnummer, Datum, Betrag, Bestellreferenz) → Validierung (Format, Duplikatsprüfung) → API-Call zu ERP (Bestellung abrufen, PO-Match) → bei Match: automatische Workflow-Freigabe, bei Abweichung: manueller Prüf-Workflow → nach Freigabe: Buchung in ERP (API-Call) → Archivierung mit Metadaten, Freigabestatus, Audit-Trail → bei Audit: Prüfexport auf Knopfdruck.

 

Monitoring, Logging, Betrieb

  • Monitoring: Systemverfügbarkeit (Uptime), Performance (Response-Zeiten, Indexierungsgeschwindigkeit), Fehlerraten (OCR-Fehler, API-Timeouts, Workflow-Abbrüche), Alerting (E-Mail, Slack, PagerDuty)
  • Logging: Strukturierte Logs (JSON), Log-Retention mind. 10 Jahre, SIEM-Export (Syslog, Splunk, Azure Sentinel), Log-Integrität (unveränderlich)
  • Backup und Restore: Tägliche Backups (Dokumente, Metadaten, Logs), RTO < 4 h, RPO < 1 h, regelmäßige Restore-Tests (quartalsweise)
  • Patch- und Release-Prozess: Monatliche Security-Patches, quartalsweise Feature-Releases, Test- und Freigabeverfahren (Dev → Test → Prod), Change-Logs dokumentiert

 

Migration und Indexierung: Altbestände und Datenqualität

Die Migration bestehender Dokumente ist oft unterschätzt. Typische Herausforderungen: unstrukturierte Ablage (Netzlaufwerke, SharePoint, Papier), fehlende oder inkonsistente Metadaten, schlechte Scanqualität, große Volumina (mehrere TB). Empfohlenes Vorgehen: Priorisierung nach Dokumententyp (steuerrelevante Belege zuerst), Datenqualitätsprüfung (Duplikate, unleserliche Scans, fehlende Seiten), automatische Indexierung (OCR, KI-Klassifizierung), manuelle Nachbearbeitung bei kritischen Lücken, Stichprobenprüfung (mind. 5% der migrierten Dokumente), Parallelablage während Übergangsphase (Altsystem bleibt lesend verfügbar, neue Dokumente nur noch im neuen System). Migrationskosten: ca. 0,50–2,00 EUR pro Dokument (abhängig von Komplexität, Qualität, Volumen).

 

RACI-Matrix und IKS-Kontrollen für P2P/O2C

Klare Verantwortlichkeiten sind essenziell für Governance und Internal Control System. Folgende RACI-Matrix zeigt exemplarisch die Verantwortlichkeiten für den P2P-Prozess (Eingangsrechnungen).

Aktivität Kreditorenbuchhaltung Kostenstelle/Fachbereich Leiter Rechnungswesen IT
Rechnungseingang erfassen R (Responsible) I (Informed) I C (Consulted, bei techn. Problemen)
Validierung (Format, Duplikat) A (Accountable) I R (System)
PO-Match (Bestellung, Wareneingang) R C (bei Abweichungen) I R (System)
Sachliche Prüfung und Freigabe C (Unterstützung) R, A (Kostenstellen-Verantwortlicher) I
Buchung und Zahlung R I A (Vier-Augen bei > 10.000 EUR)
Archivierung R A R (System)
Prüfexport (Audit) R C (bei fachlichen Fragen) A C (technische Unterstützung)

IKS-Kontrollen (Beispiel P2P):

  • Kontrolle 1 (automatisch): Duplikatsprüfung bei Erfassung (System prüft Rechnungsnummer, Kreditor, Betrag gegen bestehende Belege). Verantwortlich: IT (System), überwacht durch Kreditorenbuchhaltung (monatlicher Review Duplikatsmeldungen).
  • Kontrolle 2 (automatisch): Drei-Wege-Match (Bestellung, Wareneingang, Rechnung). System blockiert Buchung bei Abweichungen > 5%. Verantwortlich: IT (System), überwacht durch Leiter Rechnungswesen (quartalsweiser Review Abweichungsfälle).
  • Kontrolle 3 (manuell): Sachliche Freigabe durch Kostenstellen-Verantwortlichen (Vier-Augen-Prinzip bei Beträgen > 5.000 EUR). Verantwortlich: Kostenstelle, überwacht durch Leiter Rechnungswesen (monatlicher Review nicht freigegebener Rechnungen > 30 Tage).
  • Kontrolle 4 (automatisch): Archivierung mit Audit-Trail (System protokolliert alle Änderungen, Zugriffe, Freigaben). Verantwortlich: IT (System), überwacht durch Leiter Rechnungswesen (jährlicher Review Log-Integrität, Stichproben).
  • Kontrolle 5 (manuell): Berechtigungsreview (halbjährlich: Wer hat welche Rechte? Sind diese noch aktuell?). Verantwortlich: Leiter Rechnungswesen, IT (Umsetzung).

 

Audit- und Prüfungs-Checkliste: GoBD, DSGVO, IKS

Folgende Checkliste dient als Vorbereitung auf Betriebsprüfungen, interne Audits oder Systemabnahmen.

Prüfpunkt Nachweis/Beleg Status
Verfahrensdokumentation vorhanden und aktuell (GoBD) Dokument Verfahrensdokumentation (inkl. Prozesse, Systeme, Schnittstellen, Verantwortlichkeiten, Kontrollen), letzte Aktualisierung < 12 Monate ☐ Ja ☐ Nein
Unveränderbarkeit im Archiv (WORM, Checksummen) Technische Dokumentation, Beispiel-Checksumme (SHA-256), Nachweis Time-Stamping (eIDAS-konform) ☐ Ja ☐ Nein
Audit-Trail vollständig und unveränderlich Beispiel-Log-Export (10 Dokumente mit vollständiger Historie), Nachweis Log-Integrität (WORM oder kryptografisch) ☐ Ja ☐ Nein
Berechtigungskonzept dokumentiert und umgesetzt Rollenmodell-Dokumentation, Berechtigungsmatrix, Nachweis letzter Berechtigungsreview (< 6 Monate) ☐ Ja ☐ Nein
Aufbewahrungsfristen hinterlegt und überwacht Aufbewahrungsfristen-Tabelle (Dokumententyp, Frist, Rechtsgrundlage), Nachweis automatische Überwachung (Screenshot System) ☐ Ja ☐ Nein
Löschkonzept DSGVO-konform Löschkonzept-Dokumentation, Nachweis Löschläufe (Log), Beispiel Betroffenenanfrage (Auskunft, Löschung) ☐ Ja ☐ Nein
Prüfexport funktionsfähig Test-Export (100 Belege, strukturiert, IDEA/ACL-kompatibel), Prüfung Vollständigkeit und Lesbarkeit ☐ Ja ☐ Nein
Verschlüsselung at rest und in transit Technische Dokumentation (AES-256, TLS 1.3), Zertifikate, Nachweis Schlüsselmanagement ☐ Ja ☐ Nein
Backup und Restore getestet Backup-Policy, Nachweis letzter Restore-Test (< 3 Monate), RTO/RPO dokumentiert ☐ Ja ☐ Nein
IKS-Kontrollen dokumentiert und wirksam IKS-Dokumentation (Kontrollen, Verantwortlichkeiten, Frequenz), Nachweis letzter Kontrollausführung (z. B. Berechtigungsreview, Duplikatsprüfung) ☐ Ja ☐ Nein

 

Umsetzung: Schrittweises Vorgehen, Quick Wins, typische Stolpersteine

Die Umsetzung sollte iterativ erfolgen – Start mit hohem Nutzenbereich, kontrollierte Ausweitung, kontinuierliche Optimierung.

 

Schrittweiser Rollout (Wellen-Ansatz)

  • Welle 1 (Monate 1–3): Pilot Eingangsrechnungen (ein Standort, eine Gesellschaft, ca. 5.000 Rechnungen p.a.). Ziel: Prozess testen, Integration ERP/E-Invoicing validieren, erste KPIs messen (Suchzeit, Durchlaufzeit, Skontoquote).
  • Welle 2 (Monate 4–6): Skalierung Eingangsrechnungen auf alle Standorte/Gesellschaften. Ergänzung Vertragsmanagement (zentrale Ablage, Fristenverwaltung, Nachträge).
  • Welle 3 (Monate 7–9): Ausgangsrechnungen (O2C), Lieferscheine, Bestellungen. Integration Lieferantenportal (Self-Service für Rechnungsfreigaben).
  • Welle 4 (Monate 10–12): HR-Dokumente (Personalakten, Zeugnisse, Arbeitsverträge), Projektdokumentation, allgemeine Korrespondenz. ECM-Ansatz für unternehmensweite Prozesse.

 

Quick Wins (erste 60 Tage)

  • Digitale Eingangsrechnungen: Automatische Erfassung, Workflow, Freigabe, Archivierung. Messbarer Nutzen: Durchlaufzeit von 12 auf 5 Tage (bereits nach 4 Wochen), Skonto-Mehrnutzung ab Monat 2.
  • Suchzeiten reduzieren: Volltextsuche und Metadaten. Messbarer Nutzen: Suchzeit von 8 Minuten auf 20 Sekunden (sofort nach Rollout).
  • Audit-Readiness: Strukturierte Ablage, Prüfexport auf Knopfdruck. Messbarer Nutzen: Audit-Vorbereitung von 2 Wochen auf 2 Tage (bei nächster Betriebsprüfung).

 

Typische Stolpersteine und Vermeidungsstrategien

  • Stolperstein 1: Unklare Metadaten führen zu Lücken und Inkonsistenzen. Lösung: Pflichtfelder definieren (z. B. Belegtyp, Datum, Kreditor/Debitor, Betrag), Validierung bei Erfassung, Schulung der Anwender.
  • Stolperstein 2: Zu komplexe Ordnerstrukturen machen das System schwerfällig. Lösung: Flache Hierarchien (max. 3 Ebenen), Suche über Metadaten statt über Ordner, regelmäßige Reviews.
  • Stolperstein 3: Fehlende Governance führt zu Schatten-IT. Lösung: Klare Verantwortlichkeiten (RACI), verbindliche Prozesse, regelmäßige Kontrollen, Eskalationswege definieren.
  • Stolperstein 4: Fehlender CFO-Owner. Lösung: CFO oder Leiter Rechnungswesen muss Projektowner sein (nicht IT allein), Steering-Committee mit Entscheidungskompetenz.
  • Stolperstein 5: Zu großer Big-Bang überfordert Organisation. Lösung: Wellen-Ansatz, Start mit Pilot, kontrollierte Ausweitung, kontinuierliches Lernen.
  • Stolperstein 6: Mangelnde Integration führt zu Medienbrüchen. Lösung: ERP-Integration von Anfang an (nicht nachträglich), API-basiert, automatisierte Workflows, keine manuellen Übertragungen.
  • Stolperstein 7: Fehlende Nutzerakzeptanz führt zu Schatten-Ablagen. Lösung: Frühzeitige Einbindung der Anwender (Workshops, Feedback), einfache Bedienung (UX!), klare Kommunikation des Nutzens, Schulungen, Support.
  • Stolperstein 8: Datenmigration unterschätzt. Lösung: Realistische Planung (Zeit, Kosten, Ressourcen), Priorisierung (steuerrelevante Belege zuerst), Qualitätssicherung (Stichproben), Parallelablage während Übergangsphase.

 

Fazit: Minimum Requirements, Entscheidungsmatrix, nächste Schritte

Dokumentenmanagement und Archivierung sind keine optionalen IT-Projekte, sondern strategische Governance-Aufgaben mit direktem Einfluss auf Prozesseffizienz, Compliance, Risiko und ROI. Die digitale Transformation von Finance-Prozessen – getrieben durch E-Invoicing, GoBD, DSGVO und wachsende Dokumentenvolumen – erfordert strukturierte, integrierte und revisionssichere Lösungen.

Minimum Requirements (nicht verhandelbar): Auffindbarkeit, Vollständigkeit, Protokollierung, geregelte Berechtigungen, definierte Aufbewahrungs- und Löschregeln, Unveränderbarkeit im Archiv, Verfahrensdokumentation, Export- und Vorlagefähigkeit. Wer diese Anforderungen erfüllt, schafft die Basis für Compliance, Effizienz und Audit-Readiness.

Business Case (Beispielrechnung): ROI 103% über 3 Jahre, Payback 18–24 Monate, messbare Nutzen (FTE-Einsparung, Skonto-Mehrnutzung, Fehlerreduktion, Audit-Aufwand, Archivkosten) übersteigen Kosten (Implementierung, Lizenzen, Betrieb) deutlich.

Lieferanten-/Tool-Auswahl: Prüfbarer Kriterienkatalog mit Must-have-Nachweisen (GoBD-Verfahrensdoku, WORM-Nachweis, Audit-Trail, Berechtigungskonzept, ERP-Integration, E-Invoicing-Anbindung, Prüfexport, DSGVO-Compliance, Security, SLA, Exit-Strategie, Data Residency). PoC mit Testdaten, Referenzgesprächen und technischem Review – bei Bedarf unterstützt durch eine E-Rechnung-Beratung.

Umsetzung: Schrittweiser Rollout (Pilot → Skalierung → ECM), Start mit hohem Nutzenbereich (Eingangsrechnungen), klare Governance (RACI, IKS-Kontrollen), Verfahrensdokumentation von Anfang an, Integration ERP/E-Invoicing, Schulung und Change-Management, kontinuierliche Optimierung.

Nächste Schritte für Entscheider:

  • Jetzt (Tag 1–30): Ist-Analyse durchführen, KPI-Baseline messen, Governance-Workshop (RACI, Prozessowner), Pilot-Use-Case definieren.
  • Kurzfristig (Tag 31–60): Anforderungskatalog erstellen, Lieferanten-Shortlist, PoC, Business Case finalisieren, Steering-Vorlage vorbereiten.
  • Mittelfristig (Tag 61–90): Entscheidung Steering, Vertragsverhandlung, Projektstart, Rollout-Planung.

Digitale Archivierung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: effiziente Finanz- und Verwaltungsprozesse, transparente Governance, nachweisbare Compliance, reduzierte Risiken und messbare Kosteneffekte. Die Investition lohnt sich, wenn Suchzeiten, Durchlaufzeiten, Auditaufwände und Risiken spürbar sinken – und wenn die Organisation die gewonnene Kapazität für wertschöpfende Tätigkeiten nutzt. Der Weg dorthin führt über strukturierte Prozesse, klare Verantwortlichkeiten, technische Unterstützung und kontinuierliche Verbesserung – in der Praxis oft als Schritt hin zum papierlosen Büro im Finance-Kontext.

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