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LibreOffice XRechnung erstellen: Praktischer Guide für E-Rechnungen

Geschrieben von Bonpago | Aug 27, 2026, 4:00:02 AM

Kurz gesagt: Mit LibreOffice und einer speziellen Erweiterung erstellen Sie strukturierte elektronische Rechnungen im XRechnung- oder ZUGFeRD-Format, ohne teure Spezialsoftware zu kaufen. Die Lösung eignet sich besonders für kleine Unternehmen und Freiberufler mit überschaubarem Rechnungsvolumen und hohen Anforderungen an Compliance und Nachvollziehbarkeit.

Der direkte Fahrplan:

  1. Laden Sie die XRechnung-Erweiterung herunter und entpacken Sie sie in einen neuen Ordner
  2. Passen Sie die Makrosicherheit in LibreOffice an und installieren Sie erforderliche Zusatzpakete
  3. Öffnen Sie die Datenbank, tragen Sie Ihre Firmendaten und Kundenstammsätze ein
  4. Erfassen Sie Rechnungspositionen und wählen Sie das gewünschte Format (XRechnung oder ZUGFeRD)
  5. Klicken Sie auf "Rechnung erstellen" und speichern Sie die Datei im automatisch erstellten Archivordner
  6. Prüfen Sie die erzeugten Dateien mit einem Validator und archivieren Sie sie nach GoBD-Anforderungen

Nach diesem Guide kannst du:

  • Strukturierte elektronische Rechnungen direkt aus LibreOffice erzeugen und revisionssicher versenden
  • Den Unterschied zwischen XRechnung und ZUGFeRD verstehen und die richtige Variante für Deine Situation wählen
  • Die notwendigen Voraussetzungen einrichten und typische Fehler sowie Compliance-Risiken vermeiden
  • Rechnungsdaten sauber pflegen und mit Audit-Trail automatisiert in Dateien umwandeln
  • Erzeugte Rechnungen validieren und nach GoBD-Standard revisionssicher archivieren
  • Rollen, Verantwortlichkeiten und Kontrollpunkte im Rechnungsprozess dokumentieren und nachweisen

Inhaltsverzeichnis

Für wen ist dieser Guide?

Dieser Guide richtet sich an kleine Unternehmen, Selbstständige, Freiberufler und Einzelunternehmer, die monatlich nur wenige bis einige Dutzend Rechnungen schreiben und bisher Rechnungen manuell in Word, Excel oder LibreOffice erstellt haben. Sie möchten auf strukturierte elektronische Rechnungen umsteigen, scheuen aber die Komplexität und Kosten großer ERP-Systeme. Wichtig: Sie haben ein Bewusstsein für Compliance, Revisionssicherheit und dokumentierte Kontrollen im Rechnungsprozess.

Voraussetzungen sind: LibreOffice installiert, grundlegende Kenntnisse in der Bedienung von Office-Programmen, Zugang zu Ihrem Betriebssystem (Linux Mint oder Windows), die Bereitschaft, einmalig Sicherheitseinstellungen anzupassen und Zusatzpakete zu installieren, sowie die Fähigkeit, eine Datenbank zu sichern und Prozesse zu dokumentieren.

Was dieser Guide bewusst nicht abdeckt: Diese Lösung ersetzt keine vollständige Buchhaltungssoftware. Sie erzeugt Rechnungen, bildet aber keine Debitoren- oder Kreditorenverwaltung, keine Zahlungsabstimmung und keine Gewinn-und-Verlust-Rechnung ab. Für Unternehmen mit hohem Rechnungsvolumen (über 100 pro Monat), komplexen Freigabeprozessen, mehreren Nutzern oder Mehrfachsteuersätzen ist ein ERP-System die bessere Wahl. Dieser Guide adressiert auch nicht die technische Betriebssicherheit bei Systemwechseln oder Betriebssystem-Updates – das erfordert zusätzliche IT-Planung.

Grundlagen und Kontext

Elektronische Rechnungen gibt es in mehreren Formaten. Die klassische PDF-Rechnung ist zwar lesbar, aber für automatisierte Verarbeitung ungeeignet. XRechnung ist ein reines XML-Format, das nur Maschinen lesen können. ZUGFeRD ist ein hybrides Format: eine PDF-Rechnung mit unsichtbar eingebetteten XML-Daten. Das ermöglicht sowohl menschliche Lesbarkeit als auch automatisierte Verarbeitung.

Seit Juni 2025 gilt für Unternehmen in Deutschland: Rechnungen an öffentliche Auftraggeber müssen im XRechnung-Format eingereicht werden. Für B2B-Rechnungen zwischen Unternehmen ist ZUGFeRD weit verbreitet, da es benutzerfreundlicher ist. Die LibreOffice-Erweiterung erzeugt beide Formate aus einer gemeinsamen Datenbank.

Merke: Die Datenbank ist das Herzstück. Sie speichert Ihre Firmendaten, alle Kundenstammsätze und jede Rechnung. Regelmäßige Sicherungen sind essenziell, um Datenverluste zu vermeiden. Nach GoBD-Standard (Grundsätze ordnungsgemäßer DV-gestützter Buchführungssysteme) müssen Sie die Verfahrensdokumentation führen, also dokumentieren, wie Rechnungen entstehen, wer sie prüft und wie Sie sicherstellen, dass Original-Dateien unveränderbar sind. Die XML-Datei ist das beweissichere Original; PDF ist nur die Anzeigeform.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Erweiterung herunterladen und Verfahrensdokumentation starten

Laden Sie die aktuelle Version der XRechnung-Erweiterung herunter und entpacken Sie das ZIP-Archiv in einen neuen, leicht erreichbaren Ordner auf Ihrem Computer, zum Beispiel "C:\XRechnung" unter Windows oder "~/XRechnung" unter Linux. Der Ordner sollte leer sein und nur die entpackten Dateien enthalten. Parallel dazu erstellen Sie ein einfaches Dokument zur Verfahrensdokumentation, das festhält, wer Rechnungen erstellt, wer sie prüft und wie Fehler dokumentiert werden.

  • Öffnen Sie die Downloadseite und speichern Sie die Datei "XRechnung_Extension_xxxx.zip" lokal
  • Entpacken Sie das Archiv mit Ihrem Dateimanager oder einem Archivprogramm
  • Überprüfen Sie, dass folgende Dateien im Ordner vorhanden sind: XRechnung_Extension.odb (Datenbank), Vorlage_Rechnung_Extension.ott (Rechnungsvorlage) und eine Anleitung als PDF oder Textdatei
  • Erstellen Sie in diesem Ordner ein Textdokument "Verfahrensdokumentation.txt" und notieren Sie: Datum der Installation, Versionsnummer, verantwortliche Person(en) für Rechnungserstellung und Prüfung, Sicherungsrhythmus (z. B. wöchentlich), Aufbewahrungsfrist (10 Jahre)
  • Merken Sie sich den Pfad zu diesem Ordner, Sie werden ihn später mehrfach brauchen

Kontrollpunkt: Wenn Sie den Ordner öffnen und alle drei Dateien plus Verfahrensdokumentation sehen, ist die Vorbereitung abgeschlossen. Die Dokumentation wird später als Nachweis für GoBD-Compliance herangezogen.

Schritt 2: Makrosicherheit anpassen und Audit-Protokoll einrichten

LibreOffice blockiert Makros standardmäßig aus Sicherheitsgründen. Da die Erweiterung Makros nutzt, müssen Sie die Sicherheitseinstellungen auf "Mittel" setzen und den Erweiterungsordner als vertrauenswürdig eintragen. Zusätzlich richten Sie ein einfaches Audit-Protokoll ein, um nachzuverfolgen, wann die Datenbank geöffnet und Rechnungen erstellt wurden. Aus IT-Betriebssicht ist dies ein wichtiger Schritt, um Änderungen und Patchmanagement nachvollziehbar zu dokumentieren.

  • Öffnen Sie LibreOffice und klicken Sie auf "Extras" → "Optionen"
  • Navigieren Sie zu "LibreOffice" → "Sicherheit" und klicken Sie auf die Schaltfläche "Makrosicherheit"
  • Wählen Sie "Mittel" aus (nicht "Niedrig", nicht "Hoch")
  • Klicken Sie auf den Reiter "Vertrauenswürdige Quelle" und dann auf "Vertrauenswürdige Speicherorte"
  • Klicken Sie auf "Hinzufügen" und navigieren Sie zu dem Ordner, in den Sie die Erweiterung entpackt haben
  • Bestätigen Sie mit "OK" und schließen Sie die Optionen
  • Erstellen Sie im Erweiterungsordner eine Datei "Audit_Log.txt" und notieren Sie jedes Mal, wenn Sie die Datenbank öffnen: Datum, Uhrzeit, Benutzer, Aktion (z. B. "Rechnung 0042 erstellt"), Status (OK oder Fehler)

Achtung: Die Einstellung "Mittel" bedeutet, dass LibreOffice Sie bei jedem Start eines Makros aus diesem Ordner fragt, ob Sie es ausführen möchten. Das ist normal und erhöht die Sicherheit. Bestätigen Sie immer mit "Makros aktivieren", damit die Rechnungserstellung funktioniert. Aus Betriebssicht ist dies ein Risiko, das durch regelmäßige Versionsstände und Wiederherstellungstests mitigiert werden sollte.

Kontrollpunkt: Öffnen Sie LibreOffice erneut. Wenn die Makrosicherheit richtig eingestellt ist, erscheint später beim Öffnen der Datenbank eine Sicherheitswarnung, die Sie bestätigen können. Das Audit-Log sollte leer sein und bereit für Ihre ersten Einträge.

Schritt 3: Erforderliche Zusatzpakete installieren und Systemvoraussetzungen prüfen

Je nach Betriebssystem fehlen möglicherweise Pakete, die für Datenbankfunktionen und PDF-Verarbeitung notwendig sind. Unter Linux Mint (und anderen Debian-basierten Systemen) müssen Sie diese manuell installieren. Unter Windows sind sie meist bereits vorhanden. Gleichzeitig dokumentieren Sie, welche Pakete installiert sind – das ist Teil der Verfahrensdokumentation für GoBD und für die Audit-Tauglichkeit Ihres Systems.

  • Öffnen Sie unter Linux Mint das Terminal (Strg + Alt + T)
  • Geben Sie folgende Befehle nacheinander ein: "sudo apt update" und dann "sudo apt install libreoffice-sdbc-firebird pdftk"
  • Geben Sie Ihr Passwort ein und bestätigen Sie mit Enter
  • Warten Sie, bis die Installation abgeschlossen ist
  • Notieren Sie in Ihrer Verfahrensdokumentation: "Firebird SDBC und pdftk installiert am [Datum], Version [Versionsnummer]"
  • Unter Windows können Sie diesen Schritt üblicherweise überspringen; prüfen Sie aber, ob pdftk über den Windows Store oder chocolatey installiert ist

Praxis-Tipp: Wenn Sie später eine Fehlermeldung bekommen, die "Firebird" oder "pdftk" erwähnt, war die Installation unvollständig. Wiederholen Sie die Befehle oder kontaktieren Sie den technischen Support. Dokumentieren Sie den Fehler und die Lösung im Audit-Log – das zeigt GoBD-Compliance und ist essenziell für Audit-Nachweise.

Kontrollpunkt: Öffnen Sie ein neues Terminal-Fenster und geben Sie "pdftk --version" ein. Wenn eine Versionsnummer erscheint, ist das Paket installiert. Notieren Sie die Versionsnummer in der Verfahrensdokumentation.

Schritt 4: Datenbank öffnen, Firmendaten eintragen und Kontrollrollen definieren

Öffnen Sie die Datenbankdatei in LibreOffice Base. Es erscheint eine Eingabemaske mit verschiedenen Reitern. Beginnen Sie mit dem Reiter "Einstellungen", um Ihre eigenen Firmendaten einzutragen. Gleichzeitig definieren Sie, wer die Rechnungen erstellt und wer sie prüft – das ist essenziell für die interne Kontrolle, das 4-Augen-Prinzip und GoBD-Compliance. Eine klare Kontrollmatrix mit definierten Rollen reduziert Fehlerquoten deutlich.

  • Öffnen Sie LibreOffice und klicken Sie auf "Datei" → "Öffnen"
  • Navigieren Sie zu dem Ordner mit der Erweiterung und wählen Sie "XRechnung_Extension.odb"
  • Bestätigen Sie die Sicherheitswarnung mit "Makros aktivieren"
  • Notieren Sie in Ihrem Audit-Log: "Datenbank geöffnet am [Datum] um [Uhrzeit] von [Benutzer]"
  • Im linken Menü sehen Sie verschiedene Eingabemasken. Klicken Sie auf "Einstellungen"
  • Tragen Sie Ihre Firmenname, Adresse, Steuernummer, Umsatzsteuer-ID und Kontaktdaten ein
  • Fügen Sie ein Feld "Verantwortliche Person Rechnungserstellung" und "Verantwortliche Person Rechnungsprüfung" hinzu (notieren Sie diese Namen auch in der Verfahrensdokumentation)
  • Speichern Sie die Änderungen mit Strg + S

Aus Erfahrung: Achten Sie auf Tippfehler bei der Steuernummer und USt-ID. Diese Daten werden in jede Rechnung übernommen und müssen exakt korrekt sein. Prüfen Sie diese Felder doppelt, bevor Sie speichern. Ein Fehler hier führt zu Validierungsfehlern bei allen nachfolgenden Rechnungen und gefährdet die Compliance-Nachweise.

Kontrollpunkt: Alle Felder sollten ausgefüllt sein. Wenn Sie speichern, sollte keine Fehlermeldung erscheinen. Die Verantwortlichkeiten sind dokumentiert und bilden die Grundlage für Ihr Kontrollmodell.

Schritt 5: Kundenstammsätze anlegen und Stammdaten-Validierung durchführen

Für jeden Kunden, dem Sie regelmäßig Rechnungen ausstellen, legen Sie einen eigenen Datensatz an. Dies erspart Ihnen später Zeit und reduziert Tippfehler. Wichtig: Fehler in Kundenstammdaten führen zu ungültigen Rechnungen. Daher müssen Sie nach jeder Eingabe prüfen und dokumentieren, wer die Daten eingegeben und wer sie geprüft hat. Dies ist ein kritischer Kontrollpunkt in Ihrer Dateneingabe-Kontrolle.

  • Klicken Sie im linken Menü auf "Kunde XRechnung erweitert" (oder eine ähnliche Bezeichnung)
  • Im oberen Teil der Maske sehen Sie Felder für Kundenname, Adresse, Kontaktdaten und Steuernummer
  • Überschreiben Sie die vorhandenen Beispieldaten mit den echten Kundendaten
  • Prüfen Sie die Eingabe: Stimmen Kundenname, Adresse und Steuernummer mit den Kundenunterlagen überein?
  • Notieren Sie im Audit-Log: "Kundenstammsatz [Kundenname] angelegt/geprüft von [Benutzer] am [Datum]"
  • Klicken Sie auf "Neuer Datensatz" (oder eine ähnliche Schaltfläche), um einen weiteren Kunden anzulegen
  • Wiederholen Sie diesen Vorgang für alle Ihre regelmäßigen Kunden
FeldBedeutungKontrollpunkt
KundennameVollständiger Name des KundenMit Kundenvertrag abgleichen
AdresseRechnungsadresseMit letztem Auftrag/Bestellung abgleichen
Steuernummer/USt-IDFür Validierung und ComplianceMit Handelsregister oder Kundenwebseite prüfen
KontaktpersonAnsprechpartner für RechnungsfragenMit Kommunikationshistorie abgleichen

Merke: Wenn Sie eine Rechnung für einen neuen Kunden ausstellen, können Sie die Daten auch direkt in der Rechnungsmaske eingeben. Der Datensatz wird dann nicht gespeichert. Für wiederkehrende Kunden lohnt sich die Speicherung aber immer, und Sie müssen die Eingabe dokumentieren. Eine saubere Stammdaten-Quelle ist die Grundlage für fehlerfreie Rechnungen und revisionssichere Archivierung.

Kontrollpunkt: Speichern Sie nach jedem neuen Kundendatensatz. Die Datenbank sollte keine Fehlermeldung zeigen. Das Audit-Log enthält einen Eintrag für diesen Datensatz.

Schritt 6: Rechnungspositionen erfassen, Format wählen und Berechnung prüfen

Jetzt erstellen Sie die eigentliche Rechnung. Wählen Sie zuerst das Format (XRechnung oder ZUGFeRD) und tragen Sie dann die Rechnungspositionen ein. Jede Position muss korrekt erfasst werden, und Fehler müssen dokumentiert werden – das ist essenziell für die Nachvollziehbarkeit nach GoBD. Für öffentliche Auftraggeber ist XRechnung Pflicht; für B2B-Rechnungen ist ZUGFeRD praktischer, da es auch ausdruckbar bleibt.

  • Klicken Sie im linken Menü auf die Rechnungsmaske für Ihr gewähltes Format (XRechnung oder ZUGFeRD)
  • Im oberen Teil der Maske wählen Sie den Kunden aus einer Dropdown-Liste
  • Überprüfen Sie, dass die Kundenadresse korrekt übernommen wurde
  • Im unteren Teil tragen Sie die Rechnungspositionen ein: Leistungsbeschreibung, Menge, Einzelpreis, Steuersatz
  • Für jede Position klicken Sie auf "Neue Position" und füllen die Felder aus
  • Überprüfen Sie nach jeder Position, dass die Berechnung stimmt: (Menge × Einzelpreis) × (1 + Steuersatz) = Positionssumme
  • Überprüfen Sie, dass die Gesamtsumme korrekt berechnet wird
  • Notieren Sie im Audit-Log: "Rechnung [Rechnungsnummer] erfasst von [Benutzer], [Anzahl] Positionen, Gesamtbetrag [Betrag]"

Praxis-Tipp: Wenn Sie mehrere Positionen mit unterschiedlichen Steuersätzen haben, müssen Sie jede Position separat eintragen. Die Datenbank berechnet die Gesamtsteuer automatisch. Ein häufiger Fehler ist, unterschiedliche Steuersätze zu vermischen – das führt zu Validierungsfehlern bei allen nachfolgenden Rechnungen. Prüfen Sie deshalb vor dem Speichern, welche Steuersätze Sie verwendet haben, und dokumentieren Sie die verwendeten Sätze im Audit-Log.

Kontrollpunkt: Die Summe im Feld "Gesamtbetrag" oder "Rechnungssumme" sollte korrekt sein. Überprüfen Sie die Berechnung manuell nach. Wenn ein Fehler auftritt, korrigieren Sie ihn sofort und notieren Sie den Fehler und die Korrektur im Audit-Log.

Schritt 7: Rechnung erstellen, validieren und revisionssicher archivieren

Nachdem Sie alle Daten eingegeben haben, erzeugt ein Makro automatisch die fertige Rechnung als LibreOffice-Writer-Dokument und speichert sie im Archivordner. Danach müssen Sie die Datei validieren und revisionssicher archivieren – das ist der letzte Kontrollpunkt vor dem Versand. Unveränderbarkeit und Beweiskraft werden durch Speicherung der Original-XML, Hashing oder digitale Signaturen sowie strikte Zugriffsschutz-Regeln sichergestellt. Ein einfaches Audit-Log als Textdatei reicht für viele Audits nicht als alleinige Maßnahme – Sie sollten zusätzlich ein revisionssicheres Archivsystem nutzen.

  • Klicken Sie auf die Schaltfläche "Rechnung erstellen" (oder eine ähnliche Bezeichnung)
  • LibreOffice Writer öffnet sich automatisch und zeigt die formatierte Rechnung
  • Prüfen Sie visuell: Stimmen Kundenname, Adresse, Rechnungsnummer, Datum und Positionen?
  • Ein Dialogfenster fragt, ob Sie die Rechnung speichern und an das Mailprogramm weitergeben möchten
  • Klicken Sie auf "Ja" oder "OK", um die Datei zu speichern
  • Die Datei wird automatisch in einem Ordner "Archiv" gespeichert, der im Erweiterungsordner erstellt wird
  • Öffnen Sie den Archivordner und prüfen Sie, dass die Rechnungsdatei dort gespeichert wurde
  • Laden Sie die PDF-Datei in einen Online-Validator hoch und prüfen Sie, dass alle Felder korrekt sind
  • Notieren Sie im Audit-Log: "Rechnung [Rechnungsnummer] erstellt, validiert: [OK/Fehler], archiviert am [Datum] um [Uhrzeit]"
  • Speichern Sie zusätzlich die Original-XML-Datei (nicht nur die PDF) – das ist das beweissichere Original nach GoBD
  • Implementieren Sie Zugriffsschutz auf den Archivordner (Lese- und Schreibrechte nur für autorisierte Personen) und dokumentieren Sie diese Maßnahme in der Verfahrensdokumentation

Achtung: Wenn Sie ZUGFeRD gewählt haben, entstehen mehrere Dateien: eine reine PDF, eine PDF mit eingebettetem XML, eine reine XML-Datei und das Original als ODT-Datei. Das ist normal und gewünscht. Speichern Sie alle Dateien zusammen im Archiv – die XML-Datei ist das beweissichere Original, die PDF ist nur die Anzeigeform. Nach GoBD müssen Original-Dateien unveränderbar sein. Verwenden Sie daher schreibgeschützte Archive, Versionskontrollsysteme oder ein dediziertes revisionssicheres Archivsystem mit Hashing und Zugriffskontrolle. Ein einfaches Audit-Log allein ist nicht ausreichend – Sie müssen technische Maßnahmen mit prozessualen Kontrollen kombinieren.

Kontrollpunkt: Der Validator zeigt grüne Häkchen für alle Felder. Die XML-Datei liegt im Archivordner vor. Das Audit-Log enthält einen Eintrag mit "OK". Der Archivordner hat Zugriffsschutz. Erst dann ist die Rechnung vollständig und versandbereit.

Praxisbeispiel und Anwendung

Angenommen, Sie sind ein Grafikdesigner und erstellen eine Rechnung für einen Kunden namens "Müller GmbH" über ein Logodesign-Projekt. Sie haben 15 Stunden à 80 EUR gearbeitet, Gesamtbetrag 1.200 EUR plus 19% Mehrwertsteuer = 1.428 EUR. Sie öffnen die Datenbank (und notieren im Audit-Log: "Datenbank geöffnet"), wählen "Müller GmbH" aus der Kundenliste, tragen eine Position ein: "Logodesign Projekt XY, 15 Stunden, Einzelpreis 80 EUR, Steuersatz 19%". Die Datenbank berechnet automatisch 1.200 EUR Nettobetrag und 228 EUR Steuer. Sie prüfen die Berechnung: 15 × 80 = 1.200, 1.200 × 0,19 = 228, Summe 1.428 EUR – korrekt. Sie klicken "Rechnung erstellen", Writer öffnet sich, zeigt die fertig formatierte Rechnung mit Ihrem Briefkopf, der Kundenadresse, der Rechnungsnummer (z. B. 2025-0042) und allen Positionen. Sie prüfen visuell, dass alles stimmt. Sie bestätigen das Speichern, und die Datei landet im Archivordner mit dem Namen "2025-0042_Rechnung_Mueller_GmbH.pdf" (bei ZUGFeRD auch als XML und PDF mit eingebettetem XML). Sie laden die PDF in einen Online-Validator hoch und prüfen, dass alle Felder grün sind. Sie notieren im Audit-Log: "Rechnung 2025-0042 erstellt und validiert: OK". Danach versenden Sie die Rechnung per E-Mail an den Kunden mit dokumentierter Versendungszeit.

Fortgeschrittene Varianten und Skalierung

Anpassung des Rechnungsdesigns und Vorlage-Versionierung

Öffnen Sie die Datei "Vorlage_Rechnung_Extension.ott" in LibreOffice Writer, um das Layout anzupassen. Sie können Schriftarten ändern, Zeilen entfernen (z. B. "Mitarbeiter" für Freiberufler) und Farben anpassen. Speichern Sie die Datei anschließend unter dem gleichen Namen im OTT-Format. Wichtig: Dokumentieren Sie jede Änderung an der Vorlage im Audit-Log mit Datum, Benutzer und Änderungsbeschreibung – das ist essenziell für GoBD-Nachvollziehbarkeit.

Integration in Buchhaltungssoftware und Schnittstellen-Dokumentation

Viele Buchhaltungsprogramme importieren ZUGFeRD oder XRechnung direkt. Prüfen Sie die Dokumentation Ihrer Software oder kontaktieren Sie den Support. Die XML-Datei enthält alle strukturierten Daten für den Import. Dokumentieren Sie in Ihrer Verfahrensdokumentation, welche Schnittstellen Sie nutzen, wie der Datentransfer erfolgt (z. B. manueller Upload, automatischer FTP-Export), und wer diesen Prozess überwacht.

Kompakte Zusammenfassung

  • Laden Sie die XRechnung-Erweiterung herunter und entpacken Sie sie mit Verfahrensdokumentation
  • Passen Sie Makrosicherheit auf "Mittel" an und tragen Sie den Ordner als vertrauenswürdig ein
  • Installieren Sie unter Linux die Pakete "libreoffice-sdbc-firebird" und "pdftk" und dokumentieren Sie Versionsnummern
  • Öffnen Sie die Datenbank und tragen Sie Ihre Firmendaten sowie Kontrollrollen ein
  • Legen Sie Kundenstammsätze an, prüfen Sie jede Eingabe und dokumentieren Sie im Audit-Log
  • Erfassen Sie Rechnungspositionen, validieren Sie die Berechnung und erstellen Sie die Rechnung
  • Validieren Sie die Datei online, archivieren Sie Original-XML und PDF mit Zugriffsschutz, notieren Sie alles im Audit-Log

Mini-Checkliste

  • XRechnung-Erweiterung heruntergeladen, entpackt und Verfahrensdokumentation erstellt
  • Makrosicherheit auf "Mittel" eingestellt, Ordner als vertrauenswürdig eingetragen
  • Zusatzpakete (Firebird, pdftk) installiert und Versionsnummern dokumentiert
  • Datenbank geöffnet, Firmendaten vollständig eingegeben, Kontrollrollen definiert
  • Mindestens ein Kundenstammsatz angelegt, geprüft und im Audit-Log dokumentiert
  • Rechnungsdaten (Positionen, Steuersätze) korrekt erfasst und berechnet
  • Rechnung erstellt und visuell geprüft auf Korrektheit
  • Datei mit Online-Validator geprüft und Ergebnis dokumentiert
  • Original-XML und PDF revisionssicher archiviert mit Zugriffsschutz
  • Audit-Log für diese Rechnung vollständig ausgefüllt
  • Datenbank wöchentlich gesichert und Sicherung an sicherer Stelle gelagert
  • Archivordner nach Monat/Jahr sortiert und mit Zugriffsrechten geschützt

FAQ und Troubleshooting

Welcher Unterschied besteht zwischen XRechnung und ZUGFeRD?

XRechnung ist reines XML, nur für Maschinen lesbar. ZUGFeRD ist eine PDF mit eingebettetem XML, sowohl für Menschen als auch für Maschinen lesbar. Für öffentliche Auftraggeber ist XRechnung Pflicht. Für B2B-Rechnungen ist ZUGFeRD praktischer, da der Empfänger die Rechnung auch ausdrucken kann.

Wie stelle ich sicher, dass meine Rechnungen GoBD-konform sind?

Führen Sie eine Verfahrensdokumentation, die festhält, wie Rechnungen entstehen, wer sie prüft und wie Sie Fehler dokumentieren. Speichern Sie Original-XML-Dateien (nicht nur PDFs) revisionssicher mit Zugriffsschutz. Führen Sie ein Audit-Log für jede Rechnung. Nutzen Sie zusätzlich zu Audit-Logs ein revisionssicheres Archivsystem mit Hashing oder digitalen Signaturen. Archivieren Sie Rechnungen 10 Jahre lang.

Warum erscheint eine Fehlermeldung mit "Quelltext"?

Das ist normal. LibreOffice öffnet manchmal den Quelltext des Makros, wenn kleine Fehler auftreten. Diese beeinträchtigen die Funktion nicht. Schließen Sie das Fenster einfach, die Rechnung wurde trotzdem erstellt. Notieren Sie den Fehler im Audit-Log und im Fehlerprotokoll.

Was passiert, wenn ich die Datenbank versehentlich lösche?

Alle Kundendaten und Rechnungen sind weg. Deshalb ist regelmäßiges Sichern essenziell. Speichern Sie die Datenbank mindestens wöchentlich auf einem externen Laufwerk oder in einer Cloud. Lagern Sie Sicherungen an mindestens zwei verschiedenen Orten. Testen Sie regelmäßig, dass Sie aus einer Sicherung wiederherstellen können.

Kann ich mehrere Nutzer gleichzeitig mit der Datenbank arbeiten?

Nicht empfohlen. Die Datenbank ist für einen Nutzer ausgelegt. Wenn mehrere Personen gleichzeitig Rechnungen erstellen, können Konflikte entstehen und Daten beschädigt werden. Für mehrere Nutzer brauchen Sie ein größeres System oder ein Netzwerk-Datenbank-Setup mit Zugriffskontrolle und dokumentiertem Freigabeprozess.

Wie lange muss ich Rechnungen archivieren?

Seit Juni 2025 gelten für elektronische Rechnungen die gleichen Aufbewahrungsfristen wie für Papierdokumente: in Deutschland typischerweise 10 Jahre. Speichern Sie Original-PDF, XML-Datei und die Datenbank-Sicherung zusammen. Dokumentieren Sie den Archivierungszeitpunkt und den Aufbewahrungsort im Audit-Log.

Welche Voraussetzungen muss mein System erfüllen, um die Erweiterung zu nutzen?

Sie benötigen LibreOffice (Version 6.0 oder neuer), ein unterstütztes Betriebssystem (Windows, Linux, macOS), ausreichend Speicherplatz für die Datenbank und Archivordner sowie Schreibrechte auf dem Installationsordner. Unter Linux müssen die Zusatzpakete Firebird und pdftk installiert sein. Unter Windows sind diese meist bereits vorhanden oder können über den Windows Store installiert werden.

Fazit: Wenn du die Schritte der Reihe nach abarbeitest und parallel die Verfahrensdokumentation sowie das Audit-Log führst, hast du am Ende ein funktionierendes und GoBD-konformes System zur Erstellung strukturierter Rechnungen. Beginne mit dem Download und der Vorbereitung, teste mit einem Kundendatensatz und einer Testrechnung, und erweitere dann schrittweise. Die regelmäßige Sicherung der Datenbank, die lückenlose Dokumentation und die Kombination von technischen Maßnahmen (Zugriffsschutz, revisionssicheres Archiv) mit prozessualen Kontrollen (Audit-Log, Verfahrensdokumentation) sind die wichtigsten Punkte für einen stabilen und revisionssicheren Betrieb.